Jedes Jahr im September laden Warmaisa e. V., die Jüdische Gemeinde Mainz-Worms und die Stadt Worms zu den Jüdischen Kulturtagen in Worms ein - einer Veranstaltung im Rahmen des Europatages der Jüdischen Kultur (5.9.)
Vom 02. bis 30.09.2012 finden die 8. Jüdischen Kulturtage Worms statt.

Die Wormser Synagoge in ihrer noch heute sichtbaren romanischen Formensprache wurde in den Jahren 1174/1175 errichtet. Ein Vorgängerbau stammt aus dem Jahre 1034, seine erhaltene Stiftertafel ist also fast tausend Jahre alt. In Pogromzeiten wie während des Ersten und Zweiten Kreuzzugs (1096 und 1146), im Pestjahr 1349 oder im Rahmen sozialer Unruhen wie 1615 wurde die Synagoge immer wieder beschädigt.
Am 9. November 1938 wurde sie im Auftrag des nationalsozialistischen Staats niedergebrannt, die verbliebenen Mauern wurden 1942 abgerissen. Die Wormser Juden flüchteten. Wem das nicht gelang, der wurde deportiert und in den Vernichtungslagern ermordet.
Bereits kurz nach1945 bemühte sich der ehemalige Gemeindevorsteher Isidor Kiefer, der in die USA emigrieren konnte, um den Wiederaufbau. Das gelang mithilfe von Bund, Land und Stadt von 1958 bis 1961. Anfang Dezember plant die Stadt Worms daher zum 50. Jahrestag des Wiederaufbaus eine Feierstunde in der Synagoge, eine Ausstellung im Raschihaus und die erweiterte Neuauflage der Festschrift von 1961.
Parallel dazu beschäftigen sich Stadt und Land mit dem Welterbeantrag SchUM-Städte. Dazu findet nicht nur im Mainzer Landesmuseum Ende November eine Tagung der Landesdenkmalpflege statt. Mit Unterstützung des Altertumsvereins und von Warmaisa wird auch der Dokumentations- und Sanierungsprozess des Friedhofs Heiliger Sand fortgesetzt.
Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage wird daher am Tag des offenen Denkmals eine Friedhofsführung angeboten, bei der die Geschichten einzelner Grabsteine erzählt werden.
Ich bedanke mich herzlich bei unseren Kooperationspartnern, der Jüdischen Gemeinde Mainz/Worms und dem Verein Warmaisa für die langjährige Zusammenarbeit. Immerhin wurden die Jüdischen Kulturtage im Raschijahr 2005 ins Leben gerufen und finden daher bereits zum siebten Mal statt.
Auch an anderer Stelle bringen sich Wormser Bürger und Bürgerinnen in die Profilierung unsrer Kulturgeschichte tatkräftig ein, so in der Gedenkarbeit, sei es am 27. Januar, am 9. November oder beim Projekt "Stolpersteine".
Der Besuch von Juden aus aller Welt macht uns immer wieder aufs Neue die Bedeutung der jüdischen Stadt- und Kulturgeschichte in Worms deutlich. Wir sind gerne Gastgeber und Zuhörer.
In diesem Sinne wünsche ich allen Besuchern und Besucherinnen der 7. Jüdischen Kulturtage 2011 viel Freude und den Veranstaltern viel Erfolg.
Michael Kissel
Oberbürgermeister der Stadt Worms
Donnerstag, 8. September | 19.30 Uhr | Hof der Synagoge, Hintere Judengasse, Worms
Eintritt : 10 Euro (inkl. Weinverkostung)
Anmeldung unter (0 62 41) 8 53 - 10 53 (Sabine Neubecker)
Bei Regen findet die Veranstaltung in der Frauensynagoge statt.
Eröffnung der Jüdischen Kulturtage Worms durch Oberbürgermeister Michael Kissel.
Mit Prosit auf das Leben Lachayim führt die mit reißende Petra Kunik einen Abend lang durch die Welt des jüdischen Humors. Temperamentvoll erfrischend erzählt sie von seiner Herkunft, führt uns zu dem jüdischen Minnesänger Süßkind, zu dem Vater der Psychoanalyse Sigmund Freud, zu dem Publizisten Carlo Schmid und seiner Feststellung: "Der jüdische Witz ist heiter hingenommene Trauer über die Gegensätze dieser Welt. Er zeigt immer wieder auf, dass– eben in dieser Welt voller Logik– die Gleichungen, die ohne Rest aufgehen, nicht stimmen können."
Der jüdische Humor ist spitzfindig, doppelbödig und nie um eine treffsichere Pointe verlegen. Das heiter-nachdenkliche Programm macht weder vor der jiddischen Mamme, dem Tate und der ganzen
Mischpoche noch vor dem Rabbi oder Moses selbst halt. Dazu werden koschere Weine aus internationalen Anbaugebieten ausgeschenkt.
Sonntag, 11. September | 11.00 Uhr | Jüdischer Friedhof Heiliger Sand, Willy-Brandt-Ring 21, Worms
Dauer: ca. 1 Stunde
Eintritt frei
Wormser und Wormserinnen haben sich im Zusammenhang mit dem projektierten Antrag der SchUM-Städte auf Unesco-Weltkulturerbe mit ausgewählten Grabsteinen auf dem Heiligen Sand vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert beschäftigt und erzählen darüber. Der Jüdische Friedhof ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet.
Sonntag, 11. September | 20.00 Uhr | LincolnTheater, Obermarkt 10, Worms
Eintritt: 10 Euro im Vorverkauf, 12 Euro an der Abendkasse
Karten: KVG TicketService Worms, Rathenaustraße 11, Montag bis Freitag 10.00 bis18.00 Uhr, Samstag 9-00 bis 12.00 Uhr, Infoline (0 62 41) 20 00 - 4 50.
Die Sängerin aus Paris (Titelbild) hat ein Programm mit jüdischen Liedern, das sie seit 2005 auf dem Festival des Cultures Juives de Paris präsentiert, aber auch in Theatern und Konzertsälen der französischen Hauptstadt. Sie singt auf Hebräisch, Russisch, Jiddisch und Englisch. Auch bei den Jüdischen Kulturtagen Worms war die Pariserin bereits im Raschijahr 2005 mit einem Programm in der Synagoge zu hören.
Donnerstag, 15. September | 20.00 Uhr | Raschihaus, Hintere Judengasse 6, Worms
Hermann Cohen (1842–1918), erster ordentlicher Philosophieprofessor an einer deutschen Universität (Marburg 1876) und Begründer der Marburger Schule des Neukantianismus, hat die wohl bedeutendste moderne jüdische Religionsphilosophie vorgelegt, die im Jahr nach seinem Tod 1919 unter dem Titel Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums erschienen ist. Im Anschluss an Kant identifiziert er Ethik als den wesentlichen Gehalt der jüdischen Religion.
Sonntag, 18. September | 20.00 Uhr | LincolnTheater, Obermarkt 10, Worms
Ein Stück Nachkriegsgeschichte von Ro Trischler.
Eintritt : 14 Euro im Vorverkauf, 16 Euro an der Abendkasse
Karten: KVG TicketService Worms, Rathenaustraße 11, Montag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 9.00 bis 12.00 Uhr, Infoline (0 62 41) 20 00 - 4 50.
Als Lorle, eine junge Frau aus Rheinzabern, morgens mit ihrer neuen Reiseschreibmaschine in den Zug steigt, ahnt sie nicht, dass sie bald aus der beschaulichen dörflichen Idylle herausgerissen und Zeugin einer der tragischsten Mutter-Tochter-Beziehungen im Deutschland der Nachkriegszeit wird. Die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer erwartet am selben Bahnsteig ihre Tochter Cordelia. Die Tochter hat Auschwitz überlebt und nun treten sich Mutter und Tochter nach fünf Jahren der Trennung wieder. Beide ersehnen diese Begegnung. Und doch belastet etwas Dunkles,
Geheimnisvolles das Wiedersehen.
Einen Rückblick finden Sie ...hier
Jüdische Gemeinde Mainz, Warmaisa e. V., Stadt Worms
Informationen bei der Kulturkoordination der Stadt Worms
Kulturkoordinator Volker Gallé
Marktplatz 2 · 67547 Worms
oder im Internet unter