Wer "saß" im Luginsland?
Eine Vater-Sohn-Tragödie
Luginsland - heute ist das der Name einer Straße in Worms, unweit von Dom und Jugendherberge, direkt an der Stadtmauer gelegen. Im 13. Jahrhundert stand dort, gegenüber des jüdischen Friedhofes "Heiliger Sand", an der Biegung der Anlage, ein Turm - der "Luginsland", der die Südwestecke der Stadtbefestigung markierte.
In diesen Turm ließ Kaiser Friedrich II im Jahre 1235 den deutschen König, seinen Sohn Heinrich (VII), inhaftieren. Erst im Jahre 1228 hatte er ihn in dieses Amt erhoben. Er selbst hielt sich überwiegend in Italien auf und überließ Heinrich die königlichen Geschäfte in Deutschland. Bald kamen politische Spannungen auf, die darin gipfelten, dass sich Heinrich gegen seinen Vater, den Kaiser, auflehnte. In Deutschland begannen Unruhen. Die Verbündeten bei dieser Revolte waren Städte, wobei Worms aber kaisertreu blieb. In Worms wurde Heinrich schließlich der Prozess gemacht. Er wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Im Luginsland trat er sie an.
Während sein Sohn im Turm gefangen war, feierte Friedrich II wenige Meter davon entfernt prunkvoll Hochzeit mit Isabella von England, Königstochter und Schwester des englischen Königs - ausgerechnet mit der Frau, die eigentlich einmal als Ehefrau für Heinrich vorgesehen war. Der Kaiser betrog seine neue Gemahlin aber schon in der Hochzeitsnacht mit ihrer Zofe.
Sohn Heinrich wurde bald als Gefangener nach Italien gebracht und kam 1242 - gerade 30 Jahre alt - bei einer Haftverlegung ums Leben. Todesursache war ein Reitunfall, möglicherweise Selbstmord.
Ein weiterer berühmter, "unfreiwilliger" Besucher könnte sich im Luginsland aufgehalten haben: Der englische König Richard I, genannt "Löwenherz", soll während seiner Gefangenschaft (ca. 1193/94) unter anderem auch in Worms auf die Erfüllung der Lösegeldforderung "gewartet" haben.
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