Anwohner zeigen Verständnis für Neugestaltung der Karl-Hofmann-Anlage (06.03.2009)

Trotz Nieselregen, kaltfeuchter Witterung und einer kurzfristigen Einladung folgten gestern zahlreiche Anwohner der Karl-Hofmann-Anlage dem Angebot von OB Michael Kissel, sie vor Ort in der Anlage über die Neugestaltung ihres Wohnumfeldes zu informieren.

 
Bild: Karl-Hofmann-Anlage (Luftbild 2008)

Die Karl-Hofmann-Anlage aus der Vogelperspektive

Bild: Anwohnerbesprechung an der Karl-Hoffmann-Anlage

zahlreiche Anwohner waren an den Informationen zum Brückenbauwerk interessiert

Bild: Karl-Hoffman-Anlage mit Baumbestand

Die Karl-Hofmann-Anlage

Bild: Verantwortliche von Stadt und Landesbetrieb Mobilität erläutern ausführlich die Planungen

Verantwortliche von Stadt und Landesbetrieb Mobilität erläutern ausführlich die Planungen

Bild: Planer erläutern den Anwohnern der Karl-Hoffmann-Anlage den Bau der Fussgängerbrücke

intensive Gespräche

Im Zuge der Neugestaltung der Freianlagen an der B9/B47 sollen an der Karl-Hofmann-Anlage schon bald die ersten vorbereitenden Maßnahmen für den Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke von der Stadtseite aus über die B9 zum großen Festplatz hin erfolgen. Mit dem Wormser Oberbürgermeister waren LBM-Chef Bernhard Knoop sowie Fachleute der Stadtverwaltung und des Landesbetriebes Mobilität gekommen, um die Planungen detailliert vorzustellen. Dem Vororttermin vorausgegangen war am Tag zuvor ein fast dreistündiges Gespräch im Rathaus mit den Anliegersprechern Helmut Schäf, Renate Haag und Reinhard Schandel, die gegen die Pläne mobil gemacht hatten.

 

Betroffene waren an der Planung beteiligt

Was hier geplant und jetzt umgesetzt werden soll, sei nichts Neues, betonte der OB. Das Projekt sei bereits in den 80er Jahren durch ein umfassendes Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht worden.
Vor dem Planstellungsverfahren wurde damals ein "projektbegleitender Beirat" einberufen, in dem Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der damaligen Bezirksregierung, des Wasserwirtschaftsamtes und anderer Behörden vertreten waren, so auch die Herren Schäf und Schandel in ihrer damaligen Funktion als Leiter des Grünflächenamtes und als Baudezernent der Stadt Worms. „Wie aus Aufzeichnungen hervorgeht, erstellte genau dieser Beirat in den Jahren 1985 und 1986 die eigentliche Grundlagenplanung. Die Grundzüge der damaligen Planung gelten noch heute. Etwas verwundert sei er, so Kissel, dass sich die damals Verantwortlichen heute überrascht zeigen von der Maßnahme, die seinerzeit von ihnen maßgeblich mit auf den Weg gebracht wurde.

 

Ausführliche Informationen über geplante Massnahmen

Den Vorwurf, es habe eine mangelnde bzw. zu späte Bürgerbeteiligung in dieser Sache gegeben, wies OB Michael Kissel zurück. Das Modell der Gestaltung der Karl-Hofmann-Anlage stehe seit den 80er Jahren im Rathaus im Flur des ersten Obergeschosses zu jedermanns Einsicht, die Stadt habe in den letzten Jahren zwei Einwohnerversammlungen weit im Vorfeld der Maßnahmen unter Leitung von ihm und dem damaligen LBM-Chef Karl Bochem durchgeführt, die Presse habe das Thema im Vorfeld tief greifend behandelt und im Internet seien unter worms.de schon seit mindestens Februar 2008 umfangreiche Infos zu den Planungen veröffentlicht. Von mangelnder Öffentlichkeitsarbeit könne somit nicht die Rede sein.

Das Ziel, eine über Treppen und Rampen erreichbare Fußgängerbrücke an der Karl-Hofmann-Anlage zu installieren, wurde außer im Planfeststellungsverfahren den politischen Gremien auch jeweils mit den innerstädtischen Rahmenplanungen vorgestellt. Der Rahmenplan Rheinufer wurde am 23.01.2003 vom Bauausschuss und am 02.06.2004 vom Stadtrat, der Rahmenplan Innenstadt am 17.06.2004 vom Bauausschuss und am 23.06.2004 vom Stadtrat beschlossen.

Die jetzt in die Ausarbeitung gehende Planung der Karl-Hofmann-Anlage mit Aufschüttung und nach heutigen Richtlinien barrierefreier Rampe wurde daraus entwickelt. Die ursprüngliche Planung aus den 80er Jahren sah deutlich größere Eingriffe und mehr Versiegelungen in der Karl-Hofmann-Anlage vor, als dies heute der Fall ist, halten LBM und Stadt fest.

Kostenträger für die Fußgängerbrücke mit ihren Rampen zu beiden Seiten der B 9 ist der Bund. „Der Bund schreibt den Ländern ein Kostenmanagement vor“, so Bernhard Knoop, Leiter des LBM Worms, „das heißt, wir müssen gerade bei den Bauwerken die Kosten im Auge behalten. Der LBM plant federführend, aber in enger Abstimmung mit der Stadt ein ansprechendes Bauwerk. Dazu haben wir, wie bei der neuen Rheinbrücke und der zurzeit im Bau befindlichen Überführung Rheinstraße einen kompetenten Architekten eingebunden“.

 

Für Parkmöglichkeiten wird gesorgt

Bedenken der Anwohner hinsichtlich mangelnden Parkraums während der Bauphase und auch nach der Umsetzung des Projekts, konnten LBM und Stadt ausräumen: „Sie werden während der Baumaßnahme und auch nach Realisierung ausreichend Parkflächen im nahen Umfeld zur Verfügung haben“, versicherten der Leiter des LBM Worms, Bernhard Knoop, und OB Kissel.

Die von den Anwohnersprechern gewünschte Umgestaltung des Brückenaufganges mit einer aufgeständerten Rampe und Verweil- und Abstellmöglichkeiten unter der Konstruktion erachten Stadt und LBM auf Grund der festgelegten Planung für nicht realisierbar. Zudem fördere man damit die Gefahr eines sozialen Brennpunkts, mit all seinen negativen Auswirkungen (Alkohol, Drogen, Vandalismus, Ruhestörung). Dies liege wohl kaum im Interesse der Anwohner und auch nicht im Interesse der Stadt. Die geplante, geschlossene Aufschüttung vermeide dies und werde zudem – wie die gesamte Anlage - landespflegerisch ansprechend gestaltet. Ziel sei dabei eine offen gestaltete Grünanlage mit Aufenthaltsqualität.

 

Baumfällungen zum Teil nicht vermeidbar

Nicht vermeiden lassen wird sich auf Grund der bautechnischen Vorgaben die Fällungen der vorhandenen Bäume und Sträucher. Helmut Schäf sah dies anders und verteidigte vehement den Erhalt des vorhandenen Grüns. OB Kissel zeigte Verständnis für die Bedenken der Anwohner. Sie hätten damals die Bäume mit gepflanzt und aufwachsen sehen. Er verstehe durchaus, dass man daran mit seinem Herz hänge, aber er machte den Anwohnern auch nachvollziehbar verständlich, dass der Grünbestand weichen müsse, um das Projekt umsetzen zu können.

Eingehende Untersuchungen hätten im Übrigen gezeigt, so Dieter Rauh, Diplom-Ingenieur und Abteilungsleiter Grünflächen und Gewässer im Bereich Planen und Bauen, dass bei vielen Bäumen Schädigungen vorliegen und Vergreisungen festzustellen sind, verbunden mit einem kaum noch vorhandenen Wachstum. Die vorgeschlagene Verpflanzung der Großbäume, so wie von Helmut Schäf gefordert, sei finanziell nicht vertretbar und mit zu hohen auch finanziellen Risiken verbunden. Sofern die verpflanzten Bäume an einem neuen Standort überhaupt anwachsen und sich weiter entwickeln, würden bis zu 10-15 Jahre vorüber gehen.

 

Viele Bedenken ausgeräumt

Die von OB Kissel und den Fachleuten von Stadt und LBM mit großem Sachverstand vorgetragenen Argumente konnten schließlich die Anlieger überzeugen von der Notwendigkeit der Neugestaltung der Karl-Hofmann-Anlage. Bis 2011/2012 soll die Brücke und der optisch ansprechend gestaltete und landespflegerisch noch im Detail zu planende Platz fertig sein.

Hintergründe

Im Zuge des Baus der zweiten Rheinbrücke und der Umgestaltung des Knotenpunktes B 47 / B 9 wird das gesamte Rheinufer neu gestaltet. Hierfür wurde seit Anfang der 90er Jahre auf der Grundlage der 1992 planfestgestellten Straßenbaupläne ein städtebaulicher Rahmenplan Rheinufer erarbeitet. Die Rheinuferzone soll zu einem Identifikationsbereich für die Stadt Worms werden. Sie ist Stadteingang und steht im Kontext mit der Rheinbrücke, dem imposanten Brückenturm, der so genannten Rheinfrontbebauung und der im Hintergrund erscheinenden Silhouette der Stadt Worms.

Mit dem Bau der zweiten Rheinbrücke und der neuen Anbindung der B 9, die nach Osten zum Rhein verlagert wird, erfährt der östliche Stadtteil eine deutliche Entflechtung der unterschiedlichen Verkehrsströme. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen für kreuzungsfreie Verkehrsanbindungen zwischen dem Rheinufergelände und der Kernstadt von Worms.

Der Rahmenplan „Rheinufer“ sieht drei in Ost-Westrichtung verlaufende Hauptverbindungen für den Fußgänger- und Fahrradverkehr vor, die jeweils bis zum Rhein führen. Die südliche Verbindung führt über Torturmplatz und Küchlerplatz zum Floßhafen. Die zentrale Hauptroute wird die neu auszubauende Rheinstraße sein, die dritte Route verläuft nördlich auf der Höhe der Karl-Hofmann-Anlage/ Nibelungenschule. Diese Haupterschließungsrouten führen jeweils in ihrer Fortsetzung nach Westen direkt in die Innenstadt von Worms.

Die geplanten neuen attraktiven Wegeanbindungen zur Kernstadt sind grundlegende Voraussetzungen, das bislang untergenutzte Rheinufergebiet einer seiner Bedeutung für die Gesamtstadt entsprechenden Nutzung, insbesondere Erholungs- und Freizeitnutzung, zuzuführen. Ziel ist, die attraktive Lage am Rheinufer insgesamt zu einem breiten Anziehungspunkt zu machen.
Nördlich der Hauptverbindungsroute zwischen der Karl-Hofmann-Anlage und dem Rhein sieht der Rahmenplan „Rheinufer“ eine Parkanlage für Erholungs- und Freizeitnutzungen vor.


Mehr zur Sanierung der "alten" Nibelungenbrücke Worms und den geplanten Maßnahmen erfahren Sie ...hier


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