Kohleumschlagplatz in Worms (Stand: Januar 2009)

Auch wenn die Diskussion um das geplante Kohlekraftwerk der Südzucker AG in Offstein kontrovers geführt wird, ist Worms davon nur am Rande betroffen.
Lediglich ein geplanter Kohleumschlagplatz, bei dem die Kohle für das Offsteiner Kraftwerk angeliefert und verladen wird, soll in Wormser „Floßhafen“ entstehen.

 

Umwelt- und Agrarausschuss informiert sich

„Hier achten wir natürlich besonders sensibel auf die Details der Umsetzung!“, so Umweltdezernent Hans-Joachim Kosubek. „Deshalb wird die Angelegenheit auch in öffentlicher Sitzung des Umwelt-und Agrarauschusses der Stadt Worms behandelt, obwohl die rechtlichen Bedingungen dies nicht erfordern würden“, legt der Dezernent großen Wert auf Transparenz.

So stellten nun Fachleute der Rhenania, die den Umschlagplatz im Wormser Floßhafen errichten und betreiben will, sowie Gutachter das Konzept vor.

Auf einer Gesamtfläche von rund 15.000m² sollen auf rund 6.200m² in Worms Kohlen gelagert und für den Transport nach Offstein verladen werden. Dabei werden rund 30.000 Tonnen Kohle, also knapp 1.500m³ gelagert.

Die Anlieferung der importierten Kohle erfolgt via Binnenschiff. Im Wormser Floßhafen werden diese mit einem bereits vorhandenen Kran entladen und in zwei Schüttungen gelagert. Dort werden dann auch LKW beladen, die die Kohle zum Kraftwerk nach Offstein bringen. Mit der Bahn sei der Transport nach Offstein aus 2 Gründen nicht möglich, so Rhenania Geschäftsführer Heinz Schollmeier: Zum einen sei am Standort des Kraftwerks in Offstein kein Bahnanschluss vorhanden und dessen Herstellung nicht wirtschaftlich, zum anderen wäre der Transport auf der Schiene 2-3 mal teurer, als der LKW Transport. Auch der Kraftwerksbetreiber kalkuliere bei Energieträgern sehr knapp, wie alle Verbraucher.

Insbesondere das Thema Feinstaub beschäftigte denn auch den Umwelt- und Agrarauschuss. „Wir wollen sicher stellen, dass es zu keinen relevanten Zusatzbelastungen in Worms durch den Kohleumschlag kommt“, stellt Beigeordneter Kosubek klar.

Ausführlich erläuterten die Planer, die sich bundesweit bei Kohleumschlagsplätzen informierten, die geplanten Maßnahmen zur Vermeidung von Feinstaub.
So wird die Kohle bereits beim Entladen aus dem Schiffsrumpf befeuchtet, um Staub zu binden. Dabei soll modernste Technik zum Einsatz kommen, die das Wasser mittels Druckluft zerstäubt und somit auch kleinste Staubpartikel bindet. Außerdem reduziert diese Technik den Wasserverbrauch auf 4-5 Litern pro Tonne Kohle. Das Förderband vom Kran zum Lagerplatz soll abgedeckt sein, um Verwehungen zu vermeiden. Der Förderarm, der die Kohlehaufen auftürmt, ist senkbar, sodass die Kohle nicht viel freien Fall hat. Beim Aufschichten wird ebenfalls befeuchtet.

Besonders innovativ ist man bei den Kohlehalden selbst. Diese werden mit „Wasserglas“ versiegelt. Dabei wird Wasser mit Gesteinsmehl vermischt und bildet eine Schutzschicht auf der Kohle. So kann es keine Verwehungen geben. Das Gelände wird mit 9 Meter hohen Stahlwänden umgeben, die Wind abhalten und noch dazu Feuerfest seien sollen.

Selbst beim Verladen mittels Radlader wird erneut befeuchtet. Anfahrende LKW müssen ihre Reifen befeuchten, um keinen Staub aufzuwirbeln. Bei der Ausfahrt aus der Anlage werden die LKW gereinigt. Alle Transport LKW fahren abgedeckt, sodass von der Ladefläche keine Staubbelastung ausgeht.

Die Route der LKW soll, ab Fertigstellung, möglichst auch über die geplante Südumgehung auf die B47 nach Offstein erfolgen. Bis dahin ist die Route Klosterstrasse, Cornelius-Heylstr. über Kolpingstrasse auf die B47 geplant. Transporte durch Heppenheim oder Horchheim wird es nicht geben. Die Rhenania rechnet mit 12-15 LKW Transporten pro Tag.

Neu ist der Kohleumschlag im Wormser Hafen auch nicht. Bereits heute werden jährlich knapp 70.000 Tonnen für das Zementwerk in Göllheim in Worms per Schiff angeliefert und mit dem LKW ins Werk transportiert. Alle Auflagen und Anregungen der Struktur-und Genehmigungsdirektion in Neustadt habe man berücksichtigt, so die künftigen Betreiber.

Auch beim Thema Brandschutz habe man vorgesorgt. Zum einen durch die Befeuchtung, aber auch mittels Messsonden, die regelmäßig die Temperatur im Innern der Halden messen sollen. Komme es dennoch zu einem Feuer, habe man ausreichend Löschwasser, Brandschutzwände und einen Ersatzlagerplatz für nicht betroffene Kohle. Hier gebe es ebenfalls enge Abstimmungen mit den Genehmigungsbehörden und der Feuerwehr.

Obwohl der Betreiber rechtlich sogar einen Anspruch auf Genehmigung habe, da es sich formal um die Erweiterung einer seit 1995 genehmigten Anlage handelt, erfülle man Auflagen, die andere Betriebe, die gleiches tun, gar nicht hätten, so Rhenania Chef Schollmeier.

Nicht zuletzt, stellten Ausschussmitglied Gerhard Schnell (CDU) und Oberbürgermeister Michael Kissel fest, seien die Südzucker in Offstein sowie die Rhenania wichtige Arbeitgeber in der Region. Rhenania will 1,5 Millionen Euro im Wormser Hafen investieren und 3-4 neue Arbeitsplätze schaffen. In Offstein sind 500 Menschen unmittelbar beschäftigt, 500 weitere im Umfeld.

Feinstaub sei auch vielmehr ein klimatisch bedingtes Problem. Meist werde der Feinstaub in die Stadt eingetragen, so Kosubek. Größte Verursacher sind große Freiflächen, auf denen Staub aufgeweht wird, Sportplätze, private Heizungsanlagen und der Strassenverkehr.

„Wichtig ist festzustellen, dass diese vorbildlichen Investitionen des Betreibers in die Schutzmaßnahmen gegen Feinstaub dafür Sorge tragen, dass von der Anlage kein zusätzlicher Feinstaub in die Umwelt gelangt“, lobt Kosubek das Rhenania-Konzept.

Der Umwelt- und Agrarausschuss hat der Anlage einstimmig zugestimmt.


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